Dez 252011
 

Liebe Kölner,

zunächst einmal: Vielen Dank für Euer zahlreiches Erscheinen vor dem Rathaus am Tag der Abstimmung über die Hubschrauberstation auf dem Kalkberg und für die vielen unterstützenden emails und Telefonanrufe. Das tut sehr gut, zumal, wenn man weiß, dass eine Abstimmung bevor steht, in der, gegen alle Vernunft, das beschlossen werden wird, was man zu verhindern sucht. Ich dachte schon, daß ich mich am Abend des Tages der Ratsabstimmung wahrscheinlich total mies fühlen würde, aber das Gegenteil war der Fall: Die allgemeine Stimmung war, dass es jetzt erst richtig los geht!

Wir waren immerhin ca. 50 Leute vor dem Rathaus, was für einen so kurzfristigen Aufruf, bei dem Wetter und angesichts der Tatsache, dass das Abstimmungsergebnis im Vorhinein weitgehend feststand, nicht schlecht ist!
Nachdem wir fast allen Ratsmitgliedern die gesammelten Argumente und offenen Briefe, die im Laufe der Zeit gegen den Kalkberg formuliert wurden, am Rathauseingang überreicht haben, während ein Teil der Gruppe ausgiebig mit Guido Kahlen diskutierte, der seine bekannten Argumente wiederholte, aber auf die entscheidenden Frage nach der hausgemachten Alternativlosigkeit wieder keine Antwort hatte, ging ein Teil der Gruppe dann noch als Zuschauer in die Ratssitzung, wo die Hubschrauberstation als vorgezogener Tagesordnungspunkt 4.1. zur Abstimmung kam. Nachdem Jörg Detjen von den Linken sich als einziger Redner gegen die Hubschrauberstation an diesem Standort ausgesprochen und Stefan Peil von den Grünen sie mit dem Tenor „wir können froh sein, das Thema endlich vom Tisch zu kriegen“ verteidigt hatten, wurde sie mehrheitlich durch gewunken. Die Linke, Deine Freunde und pro Köln stimmten gegen die Hubschrauberstation, der Vertreter der freien Wähler, die ebenfalls gegen diesen Standort sind, war nicht anwesend.

Im Anschluss an die Entscheidung zur Hubschrauberstation wurde, auf Antrag des Vertreters der freien Wähler, vom Rat mehrheitlich beschlossen, auch eine Aussichtsplattform auf dem Kalkberg zu installieren. Was diese Aussichtsplattform wert sein wird, wenn sie aus Sicherheitsgründen weit unter der höchsten Anhöhe mit ihrem 360-Grad-Rundblick – der von den Braunkohlekraftwerken im Westen der Stadt über das Bayerhochhaus in Leverkusen bis ins Bergische Land und ins Siebengebirge reicht – und stattdessen auf einer Höhe mit der Stadtautobahn zu stehen kommt und nach Westen gegen die Lärmschutzwand der Hubschrauberstation glotzt, kann man sich vorstellen. Das macht keinen Sinn und wäre ein reines Alibiprojekt!

Besonders enttäuscht war ich vom Verhalten der Grünen, die in der Sache Hubschrauberstation auf dem Kalkberg zu keinem Zeitpunkt im Sinne ihrer grundlegenden Überzeugungen aktiv geworden sind (lediglich die Grünen in der Kalker Bezirksvertretung haben sich dagegen ausgesprochen). Die Kölner Grünen haben das rechtsrheinische Köln, wenn es drauf ankam, immer gegen ihre Kernüberzeugungen verraten – vermutlich im Tausch gegen Zugeständnisse im linksrheinischen. Anders kann ich es mir jedenfalls nicht erklären, dass sie sich in so extrem entscheidenden und eindeutig ihren Grundüberzeugungen widersprechenden Fragen wie dem Abriss des Barmer Blocks mit 380 Wohnungen in Deutz 2005 und jetzt bei den Plänen zur Hubschrauberstation nicht nur fein raushalten, sondern sogar noch mit dafür stimmen und die absurden und teilweise auf falschen Tatsachen beruhenden Argumentationen, mit denen diese Beschlüsse begründet wurden, mit vertreten. Wenn man, wie ich vermute, dass es geschehen ist, selbst so offensichtliche und gravierende Fehlentwicklungen noch bereit ist als Verhandlungsmasse einzusetzen, dann frage ich mich: Was soll damit denn noch gewonnen werden? Liebe Grüne: Soviel könnt Ihr durch Verhandlungsgeschick gar nicht erreichen, wie Ihr hier preisgebt! Das ist meine persönliche Meinung und Vermutung und gehört vielleicht nicht an diese Stelle, aber andererseits müssen manche Sachen einfach mal gesagt werden, am Ende muss sich sowieso jeder selber seinen Reim auf die Geschehnisse machen. Oder kann es sein, liebe Grüne im Stadtrat, dass Ihr das Problem gar nicht richtig erkannt habt, weil Kalk und erst recht Buchforst sich für Euch doch recht weit weg anfühlen?

Wir haben jedenfalls beschlossen, den Widerstand gegen die Hubschrauberstation nicht aufzugeben, sondern jetzt erst richtig los zulegen. Der Kalkberg ist ein grandioser Ort, für den umd mit dem zu arbeiten bei halbwegs gutem Wetter mehr Spaß macht als nur Briefe zu schreiben und verdrehte Begründungen und manipulierte Punktematrixen zu entschlüsseln. Lasst uns den Kalkberg zu dem machen, was er für viele heimlich und im Stillen schon ist: Den „heiligen Berg des rechtsrheinischen“, wie es jemand bei der Bürgerbeteiligung zum Grüngürtel formulierte! Einen Ort, den seine Anwohner und andere nicht nur als Geheimtipp aufsuchen, sondern der eine Breitenwirkung entfaltet und sich als fester und nicht mehr wegzudenkender Bestandteil des rechtsrheinischen Köln etabliert, denn unter solchen Voraussetzungen wäre wohl niemand, noch nicht einmal Guido Kahlen, auf die Idee gekommen, hier eine Hubschrauberstation zu installieren (da könnte er dann nämlich auch gleich den inneren Grüngürtel, den Vorgebirgspark oder ähnliche Adressen in Betracht ziehen). Die Kalkschmiede hat auf dem Kalkberg bereits im Juli 2011 ein großartiges Stadtteilfest organisiert, das gezeigt hat, welches Potential dieser Ort als Ausgleich zu den dicht bebauten Quartieren zu seinen Füßen hat. Lasst uns daran anknüpfen!

Um zukünftige Aktionen zu planen, treffen wir uns am Samstag, dem 14. Januar um 15h am Verkehrskreisel Kalk-Mülheimer-Straße/ Istanbulstraße (unter der Stadtautobahn), um anschliessend den Berg zu besteigen und vor Ort weiter zu denken!

Damit wir einen halbwegs effektiven Emailverteiler aufbauen können und um niemanden unnötig zu nerven, wäre es gut, wenn alle, die weiterhin über das Thema auf dem laufenden gehalten werden möchten, mir ein kurzes Feedback geben und auch die Freunde und Bekannte, die sie eventuell zu aktivieren versuchen, bitten, sich bei Interesse direkt bei mir zu melden! Die Bürgerinitiative, die sich in Buchforst bereits vor längerer Zeit gegründet hat, Bruno Peters, der am Bürgerpark wohnt, andere, die vor dem Rathaus protestiert haben und ich selber, wir werden uns bemühen, die Kräfte zu bündeln!

Mit herzlichem Gruß,

Boris Sieverts
Büro für Städtereisen
Pellenzstr. 6
50823 Köln
borissieverts@gmx.de
tel. 01714160572

 Posted by at 10:26 pm

  6 Responses to “Hubschrauberstation auf dem Kalkberg”

  1. Bürgerveranstaltung zum Kalkberg am 01.02.2016

    Die Stadt Köln lädt ein: Rettungshubschrauberstation auf dem Kalkberg

    Weitere Informationen zur Sitzung:
    Mitteilung der Verwaltung – Tischvorlage
    Presseinformation
    Anlage – Airport
    Anlage – Kölnmesse

    Beitrag in der Kölner Rundschau vom 26.01.2016

  2. Liebe Kölner,

    am kommenden Samstag, den 11. Februar um 12h gibt es endlich wieder eine gemeinsame Aktion auf dem Kalkberg. Wir wollen eine wirklich sehr große Tafel bauen und uns daran niederlassen. Der ursprüngliche Plan war, an diesem Tag einen Treppenweg hinunter zur Bahnunterführung an der Karlsruherstraße und zur Bahnhaltestelle Stegerwaldsiedlung der Linien 3 und 4 zu bauen – in Vorbereitung auf publikumswirksame Aktionen in den wärmeren Monaten (u.a. Theater „Rheinische Rebellen“). Die Tafel wollten wir außerdem bauen. Sie hätte den Bauarbeitern zum Essen gedient.

    Aber jetzt hat uns der Frost einen Strich durch die Rechnung gemacht, denn bei den Temperaturen kriegt man keinen Spaten mehr in den Boden – dafür ist die Aussicht in der klaren Luft umso großartiger! Deshalb begnügen wir uns diesmal mit dem Bau der Tafel und hinterlassen sie als Landmarke, der im Laufe des Jahres weitere Einladungen, diesen tollen Ort zu entdecken, folgen werden!

    Das Baumaterial besorgen wir uns im Bauhaus am Fuße des Kalkbergs (Spenden sind wieder herlich willkommen!!), Ihr dürft aber gerne noch Hölzer und auch wieder Euer eigenes Handwerkzeug mitbringen. Je mehr Material zusammen kommt, desto höher, länger, weiter können wir bauen oder sogar ein kleines Depot für weitere Aktionen anlegen. Während die einen zimmern, kümmern sich die anderen ums Essen. Wir haben bislang zwei große Gaskocher und 2 große Töpfe beisammen. Das wird hoffentlich nicht reichen und außerdem sind die Töpfe noch leer. Deshalb: Wenn Ihr habt und könnt, bringt alles mit, was wärmt: Essen (besonders Suppen!), Kochutensilien, Geschirr, Tee, Kaffee, Schnaps und Glühwein, natürlich auch Decken und ganz warme Klamotten, Schuhe und Handschuhe!

    Ausser Kochen und Bauen gibt es noch eine betreute(!) Müllsammelaktion für Kinder, besonders im Unterholz der steilen Hänge zur Stegerwaldsiedlung hin. Müllsammeln geht bei der Kälte nämlich ganz gut, weil auch fiese Sachen jetzt schön fest und trocken sind! Und Feuerholz gibt´s da auch! Und falls es bis dahin geschneit haben sollte: Schlitten mitbringen!

    Und Musik machen kann auch wärmen (Gitarre? Fidel? Mundharmonika? Akkordeon?)

    Der Treffpunkt ist im Eingangsbereich des Bauhaus, Istanbulstraße 20. Für diejenigen, die später dazukommen möchten: Der einfachste Zugang zum Kalkberg ist an dem kleinen Kreisverkehr Kalk-Mülheimer Straße/ Istanbulstraße, unter der Stadtautobahn.

    Das tolle Panoramabild im Anhang hat uns Matthias Kneppeck zur Verfügung gestellt.

    Mit herzlichem Gruß,

    BI Kalkberg

    V.i.S.d.P: Boris Sieverts, Pellenzstr. 6, 50823 Köln, borissieverts@gmx.de, tel. 01714160572

  3. Rundmail von Boris Sieverts

    Liebe Kölner,

    das war ein großer Spaß am vergangenen Samstag auf dem Kalkberg! Der Schriftzug KALKBERG.ORG thront nun unübersehbar und strahlend weiß über dem gesamten ehemaligen CFK-Gelände und der Stadtautobahn und zeigt deutlich, dass es hier etwas zu verteidigen gilt: Den spektakulärsten Aussichtspunkt im rechtsrheinischen Köln, eine der letzten Grünflächen zwischen den dicht besiedelten Stadtteilen, die ihn umgeben und den letzten qualitätvollen Ort, der die städtebauliche Verramschung des ehemaligen CFK-Geländes überlebt hat!

    Und das war nur der Anfang: Wir werden uns den Kalkberg weiter erobern und ihn zu dem machen, was er verdient: Den „heiligen Berg des Rechtsrheinischen“, einen Ort mit Fernsicht zum Träumen, der Stadt entrückt und doch mittendrin, mit freiem Platz zum Experimentieren und Feiern, Tafeln und Spielen, vielleicht sogar für Theater, Open-Air-Kino und Konzerte. Einen Ort, an dem Menschen zusammen kommen, um sich gemeinsam über den Alltag zu erheben! Über zukünftige Aktivitäten informieren wir Euch über E-Mail und auf http://www.kalkberg.org!

    Nach den zahlreichen Presse-und Fernsehberichten (u.a. Kölner Stadtanzeiger, Kölnische Rundschau, Bild, Wochenspiegel, Neue Rheinische Zeitung, WDR Lokalzeit) ist es vielleicht an der Zeit, nochmal zu betonen, dass wir nicht gegen den Bau einer Hubschrauberbasisstation sind und dass es hier auch nicht um das St. Florians-Prinzip geht, das die Last immer zu den anderen verschieben will. Man kann es nicht oft genug betonen: Eine Hubschrauberbasisstation mit zwei Landeplätzen, einem kleinen Hangar, Aufenthaltsräumen und einer Betankungsstelle ist ein so „handlicher“ und damit in seiner Standortwahl so freier Eingriff, dass man damit nicht tausenden von Bürgern ihre Ruhe rauben und eine der großartigsten Freiflächen der Stadt weitgehend zerstören muss. Die Hubschrauberstation gehört in eines der zahlreichen Gewerbe- oder Industriegebiete, auf Brachflächen, die nicht inmitten von Wohnbebauung liegen oder, und das wäre wohl die beste Lösung, auf die Dächer der Kölner Messe, die 13 Hektar besten Hubschrauberlandeplatzes fernab jeglicher Wohnbebauung bieten und 90 Prozent des Jahres weitgehend ungenutzt sind!
    Foto: Boris Sieverts
    Wir werden nicht aufhören, lautstark auf die Unsinnigkeit und Ignoranz der Standortwahl Kalkberg hinzuweisen und eine Prüfung anderer Standorte zu fordern, die die Bezeichnung Prüfung auch verdient! Außerdem wird es höchste Zeit, dass die Stadt Köln für diejenigen anderen Standorte, deren grundsätzliche Eignung sie nach ihrer eigenen Punktematrix bereits jetzt nicht bestreitet, ebenfalls Genehmigungen beantragt, damit die Kölner nicht länger als nötig auf ihre Hubschrauberbasisstation warten müssen! Zur Beantragung dieser Genehmigungen hatte die Stadtverwaltung in den vergangenen 7 (!!) Jahren reichlich Zeit. Dass sie diese Zeit nicht genutzt hat, ist verantwortungslos und unter diesen Umständen von Alternativlosigkeit zu sprechen eine Verhöhnung aller Bürger dieser Stadt!

  4. Mitteilung auf der Internetseite der Stadt Köln

    Rettungshubschrauberstation für Köln

    Am Kalkberg soll eine Station für die beiden Rettungshubschrauber Christoph 3 und Christoph Rheinland entstehen. Der Rat hat am 20. Dezember 2011 seine Standortentscheidung vom 5. Juli 2005 bestätigt und die Weiterplanung sowie den Bau der Rettungsstation beschlossen.

    Ratsinformation der Stadt Köln

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